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 Meine Pilgerreise

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Lanteguriel
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BeitragThema: Meine Pilgerreise   Fr Okt 14, 2011 10:52 am

[[Ein erstes Edit direkt oben drüber, damit man es auch noch findet: Ich merke gerade, dass der Text doch ziemlich lang geworden ist und ich weiß nicht ob man ihn wirklich lesen kann. Auch auf Rechtschreibung habe ich jetzt nicht penibel geachtet. Bitte seht mir nach, wenn bei zwei Stunden schreiben am frühen morgen doch ein Fehler drin ist.
Dieser Text soll keinen Verpflichten. Ich möchte niemanden zwingen ihn zu lesen, aber ich hatte den Eindruck, dass es doch ein paar Interessenten an meiner Reise gibt und es immer wieder zu erzählen macht die Sache nicht leichter. Und wie man jetzt sieht, könnte ich es nicht mal alles gut in einem Gespräch erzählen. Also wer mag, darf sich gerne durch den Text wühlen, dass lesen was ihn Interessiert und was ihn nicht Interessiert getrost ignorieren.]]

So jetzt habe ich alles was nötig ist um diesen Text zu schreiben Zwinkern
Die Zeit
Die Ruhe
Ein ganzes Forum für mich alleine
Die Motivation
und was sonst noch dazu gehört.

Damit wären wir eigentlich auch schon mittendrin im Thema:
Zeit, Ruhe, Motivation, alles Dinge die für dieses Abenteuer, welches ich hinter mich gebracht habe, sehr sehr wichtig sind.
Man benötigt die Zeit, um dieses Abenteuer zu machen. (zu wenig Zeit ist nicht gut, wie ihr später sehen werdet)
Man benötigt ausreichend Motivation, um dieses Abenteuer durchzustehen.
Man benötigt die Ruhe und die Offenheit für die Gesamtheit des Weges, sonst gehts in die Hose.

Und Nun von vorne:

Die Vorbereitung/Anreise - Von Hilden nach Le Puy

Es begab sich zu einer Zeit... Naja damit fängt es schon an, im Prinzip ist alles noch nicht lange her. Vom ersten Gedanken bis heute sind es glaube ich nicht mal ein Jahr.
Ich hatte vorher schon mal ein bisschen damit zu tun, ich glaube ab 2008 habe ich eigentlich vom "Jacobsweg" gehört. Dann ist mein Vater mal mit einer Gruppe der Kirche eine Woche gegangen, dann ist "Der Barde Ranarion" (wer ihn von euch kennt) auf dem Jacobsweg gewesen und hat darüber gebloggt und so ging es weiter. In dieser Zeit kam die Idee "Hey das könnte doch auch was für dich sein, oder? Du kannst ja mal schauen, ob du irgendwann Zeit dafür hast."
Und damit war das Thema fürs erste auch schon wieder abgearbeitet. Erst als es in diesem Jahr für mich aufs Abitur zu ging und sich damit auch die Frage stellte, was machst du hinterher, da kam die Idee wieder in meinen Kopf und setzte sich dort auch relativ schnell fest. Direkt studieren kam für mich sowieso nicht in Frage. Eine Auszeit für ein Jahr von jeder Schule und ähnlichem wäre das richtige. Und schon hatte sich auch die Idee vom Jacobsweg in meinem Kopf festgesetzt. Ich schätze so April diesen Jahres. Ich bin dann mal Probeweise einen Tag lang um den Ort wo ich wohne gewandert, um zu schauen, ob so etwas was für mich ist. Dann habe ich mir langsam die ersten Gedanken um Ausrüstung, Geld und vorallem die Strecke gemacht. Wie lange will ich laufen, wo starte ich etc.
Kam Zeit kam Rat und mit der Zeit hatte ich eine Zeitvorstellung, eine Strecke und dann auch meine Ausrüstung zusammen.
Einen Plan, was ich nach der Schule machen wollte, hatte ich inzwischen auch. Eine Bewerbung bei der Polizei sollte es sein. Also nach den Abiprüfungen dafür alles nötige gemacht, Kurse, Anträge gestellt etc und die Bewerbung fertig gemacht, damit sie raus konnte, bevor ich zu meiner Reise aufbreche. Es wurde Juni, es wurde Juli und langsam rückte das gewünschte Abreisedatum näher. Oh aber eins fehlte noch, wie mir auffiel: Die Reisemöglichkeit. Also schnell ins Reisebüro und zum DB Schalter am Bahnhof und mir einen Zug nach Le Puy en Valley - Frankreich geholt.
Mitte Juli brach dann ein bisschen die Hektik und vorallem das Chaos bei mir aus. Die Bewerbung war noch nicht raus, das Drachenfest stand vor der Tür und nur zwei Tage später meine Abreise nach Frankreich. Und viel trainiert hatte ich auch nicht.
Nun ja es war nicht mehr zu ändern und ich habe einfach alles der Reihe nach gemacht. Die Bewerbung fertig und abgeschickt, Sachen fürs Drachenfest gepackt, gleichzeitig meinen Rucksack fürs Wandern gepackt.
- Zeitsprung -
Und da war es der erste August. Morgen früh ging mein Zug nach Frankreich. Das Zimmer noch auf Vordermann gebracht (meine Mutter war selbstverständlich anderer Meinung), den Rucksack perfektioniert und gewogen (11,6 Kg) Zugtickets bereit gelegt etc. Und dann war es so weit, der morgen des 02.08.11 um kurz vor acht ging meine SBahn von Langenfeld nach Köln, anschließen der Thalis von Köln nach Paris, dort musste ich dann quer durch Paris den Bahnhof wechseln, dann ging es von Paris nach St. Etienne mit dem TGV und von dort dann mit einer Bimmelbahn durch kleinere Orte nach Le Puy. Ankunft 17:"Schlag mich tot" Uhr.
Langsam wurde es ernst. Ich stand an meinem Startort, mit nicht mehr als meinen Schuhen und meinem Rucksack ausgerüstet. Und natürlich prompt keinen Plan, wo ich lang musste. Zum Glück stand die Kathedrale auf einem Hügel und ich konnte einfach auf den Kirchturm zulaufen. Dann eine Herberge gesucht, ein bisschen Kathedrale besichtigt, noch nötige Kleinteile wie eine Muschel für den Rucksack gekauft - fertig.

Die Via Podiensis - Der französische Jacobsweg von Le Puy nach St. Pied de Port

Dann war es so weit. Am morgen des dritten August begann mein Weg nach Santiago de Compostella. Ein bisschen aufgeregt war man dann schon. Der morgen war schön und das Wetter gut und so ging man beschwingt los, stets auf die Markierungen achten, die einen den richtigen Weg zeigen. Und dann ist man eigentlich schon an dem Punkt, wo man nicht mehr alles erzählen kann. Zum einen wäre es zu lang, klar, aber zum anderen erinnert man sich auch schlichtweg nicht mehr. Ich hatte einen Führer für den französischen Teil, der auch schon fertige Etappen vorschlug. Die ersten Tage bin ich auch nach Führer gelaufen. Man traf Leute unterwegs, mit manchen war man dann länger unterwegs, mit anderen nur ein paar Tagen und manche hat man nur mal kurz auf dem Weg getroffen, sich kurz unterhalten und dann ist auch jeder schon wieder seine eigenen Wege gegangen.
Nach einer guten Woche kamen zwei Etappen, die relativ lang waren (30 und 34 KM). Ich war inzwischen mit einem Holländer (50) unterwegs und am Ende des zweiten Tages waren wir beide ziemlich fertig. Ihm tat sein Knie wieder weg (er hatte vor der Reise eine Miniskus-OP) und mir mein Knöchel und wir beschlossen für uns, dass uns 30 Km einfach zu viel waren und wir von nun an immer nur 20-25 Km machen wollten. Dann planen wir die Etappen halt unabhängig vom Führer neu, war der Plan. Gerade als wir uns hinsetzen wollten und die Etappen der nächsten Tage passen basteln wollten, kam eine Österreicherin rein, setzte sich zu uns und war auch völlig kaputt. Auch sie war an diesem Tag viele Kilometer gelaufen und hatte nicht wirklich Spaß daran. Von nun an liefen wir immer zusammen, planten unsere Etappen selber und machten somit nie zu viele Kilometer. Wir hatten auch großen Spaß zusammen, haben teilweise, wenn es die Gelegenheit gab, selber gekocht (ist auch günstiger) und hatten immer eine Menge Spaß. Zwischendruch haben wir noch wieder andere getroffen, die sich dann mal länger mal kürzer unserer Gruppe anschlossen, aber wir drei sind von diesem Tag an immer zusammen gelaufen.
Wobei man sagen sollte: Zusammen laufen heißt nicht nebeneinander her gehen. Viele viele Tage sind wir mit etwas Abstand aus den Herbergen raus, jeder dann wenn er fertig war, und hatten am Abend vorher besprochen, bis wohin wir laufen wollten. Und dann sind wir tagsüber jeder für sich gelaufen. Jeder hat Pause gemacht, wann er es brauchte, jeder ist sein Tempo gelaufen und hatte die Zeit die er brauchte. Mal hat man sich unterwegs gesehen, mal nicht. Wenn man am Zielort war, ist man entweder in die Herberge, hat schon mal geduscht und so die Zeit rum gebracht, bis die anderen da waren, mal hat man einfach im Ort gewartet, bis alle da waren und ist dann zusammen zur Herberge. Je nachdem auch, ob wir reserviert hatten, bzw wussten in welche Herberge wir gehen wollten oder nicht.
Man lernt auch schnell, dass man nicht viel braucht (In Spanien hinterher noch mehr als in Frankreich). Ein Bett, eine Dusche und was zu Essen wäre auch ganz nett. Alles andere ist einfach nicht wichtig.
Und dann ging die Zeit auch schnell rum. Es wurden zwei Wochen, drei Wochen, vier Wochen und letztlich sogar fünf Wochen bis nach St. Jean Pied de Port. Aber man machte sich kaum große Gedanken darüber und es viel auch nicht so auf. Hätte ich es nicht immer wieder nachgehalten und mich hätte einer gefragt, ich hätte mich sehr verschätzt. "Wann bist du los gelaufen? - Hmm gute Frage vor ein/zwei Wochen vielleicht? - Sind es nicht eher schon vier, bei den Kilometern? - Ja das kann auch sein, ich weiß es nicht."
So etwas hätte da durchaus kommen können.
Wenn man so lange mit den selben Leuten unterwegs ist, lernt man auch sehr viel von ihnen kennen. Man hat viel Zeit sich zu unterhalten und man ist auch einfach viel offener als zu Hause. Man kann diesen Leuten relativ schnell alles erzählen, sie fangen damit ja letztlich nicht viel an. Sie kennen die Freunde und dein zu Hause ja nicht. Man hat also auch keine Angst, dass sie mit dem Wissen irgendetwas anfangen. Man sieht sich im Zweifelsfall nur auf dem Weg und danach nie wieder. Und was mir noch aufgefallen ist, man unterhält sich eben auch mit ganz anderen 'Generationen' ohne Probleme. Wer hört schon gerne seinen Eltern/Großeltern zu? Aber da geht das ohne Probleme. Generationenaustausch, wie er in Deutschland nicht funktioniert, aber dringend nötig wäre. Einen Abend haben wir z.B. damit zugebracht, dass ich von meinem "Leben und Umfeld" der "Jugend von heute" aus meiner Sicht erzählt habe. Es ging um Festivals und deren Kultur, um Musik und deren Auswirkung, um Gruppenbildung und deren Akzeptanz (am Bsp. Hopper - Mettalhead) und nicht zuletzt um Springerstifel und die Weise wie man sie tragen kann.
Ein gegenseitiges Hören und Verstehen stellt sich ein und klappt wunderbar.
Natürlich kam auch die Gegenseitige Frage nach der Motivation ("Warum machst du diesen Weg? Warum läufst du hier?") und die unterschiedlichsten Antworten und Beweggründe.
- Zeitkomprimierung -
Und dann kamen die letzten Tage nach St. Jean Pied de Port und dem Ende des französischen Weges und vorallem die Frage, wie geht es weiter, was erwartet uns auf der anderen Seite der Pyrenäen in Spanien etc. Aber für uns stand relativ schnell fest, dass es mit unserer Gruppe in Spanien nicht funktionieren würde und die beiden anderen z.B. auch einen Ruhetag einlegen wollten, ich jedoch einfach weiter wollte etc. Und so beschlossen wir, dass unsere Gruppe in St. Jean dann auseinander geht und jeder seinen eigenen Weg macht.
Wir haben dann dort einen letzten gemeinsamen Abend verbracht und dann war für mich der französische Weg im Prinzip auch schon geschafft und vorbei.

Allgemeines zum französischen Teil:
Die Unterkünfte sind etwas teurer, aber dafür in der Regel auch sehr gut. Meistens bekommt man in den Gite (wie die französischen Pilgerherbergen heißen) ein Bett, ein warmes Abendessen (3 Gänge mit Wein) und ein Frühstück für 20 - 30 Euro. Wenn es weniger gibt, z.B. kein Abendessen ist es natürlich auch billiger.
Ansonsten kann man da echt gut klar kommen. Regelmäßiger auch größere Ortschaften, wo man alles bekommen konnte was man so noch brauchte, überall saubere Zimmer und Duschen etc.
Ich hatte nie Probleme mit Bettwanzen oder ähnlichem, dass muss vor ein paar Jahren mal schlimmer gewesen sein, aber inzwischen behoben.
Nun ja so weit so gut.

Der Camino frances - Der spanische Jacobsweg von St. Jean Pied de Port nach Santiago de Compostella

Und dann ging es am nächsten morgen für mich über die Pyrenäen und hinüber nach Spanien und damit auf den zweiten Teil meiner Reise. Am frühen Morgen (zwischen 7 und Cool machte ich mich dann alleine auf den Weg, lief die letzten Kilometer bis zu den Bergen und anschließen hoch hinauf, rüber und drüben wieder runter. Angesetzt waren laut Führer etwas über 8 Stunden glaube ich. Ich habe es ohne große Mühen in 6 Stunden 30 Minuten gemacht. Ich glaube wenn man schon fünf Wochen geübt hat, ist das kein großes Problem mehr. Der Übergang war echt super, das Wetter war wie eigentlich immer ein Traum und man hatte schöne Ausblicke und Landschaften. Aber man konnte schon hier merken, dass es jetzt auf den spanischen Weg ging. Es waren um längen mehr Leute unterwegs als auf den französischen Teil. Das ist schon irgendwie komisch, ja beinahe verstören, wenn man so lange in Frankreich rumläuft und eigentlich kaum Leute trifft und dann läuft man in die Berge, oder später durch Spanien, und man schafft es kaum noch aus den Leuten wieder raus zu kommen und mal ein Stück Weg für sich alleine zu haben.
Ansonsten ist einer der gravierensten Unterschiede, wie ich direkt am nächsten morgen feststellen musste, die Uhrzeit. Sind wir in Frankreich in der Regel um 7 aufgestanden und so um 8 los, steht man in Spanien spätestens um 6 auf und ist eine halbe Stunde später weg (gut in Spanien gibt es auch kein Frühstück mehr, aber das macht die Sache dann nur noch früher). Und um halb sieben ist es morgends auch im Spanischen Norden noch Dunkel. Das ist am Anfang eine echte Erfahrung und Herrausforderung, wenn es wirklich noch dunkel oder vll gerade mal am dämmern ist und man muss schon im Wald rumlaufen und Markierungen suchen.
Aber auch daran gewöhnt man sich schnell und findet seinen Rhytmus, seinen Weg und die Verfahrensweise die gut für einen ist.
Am zweiten Tag, habe ich dann zwei Österreicher (beide 65) unterwegs getroffen und mich kurz mit ihnen unterhalten. Wir liefen in etwa das selbe Tempo und verstanden uns eigentlich ganz gut, ich bin dann aber weiter, wärend sie eine Pause eingelegt haben. In Pamplona angekommen, bin ich zur Herberge, diese hatte noch zu und ich bin erst einmal zur Kathedrale gelaufen. Dort kamen dann auch kurze Zeit später die beiden Herren wieder an, zusammen mit einer Kanadierin und wollten an dem Tag aber noch weiter. Sie schauten in ihre Pläne, fanden einen Ort gute 10 Km weiter und riefen in der Herberge an um zu fragen, ob sie noch kommen könnten (reservieren ist in Spanien nicht mehr möglich). Ich wunderte mich wärend des telefonates schon, warum sie immer nach vier Personen fragten. Kurz danach war es mir klar, als sie mich dann anschauten und fragten, ob ich so weit wäre, oder ob ich noch einen Moment Pause bräuchte. Sie hatten - ohne das wir unsere Namen kannten - mich mit eingeplant. Gut ich bin dann auch mit, es war eigentlich eh noch zu früh um in Pamplona zu bleiben und ich bin an diesem Tag dann wieder über 30 Km gelaufen.
Hat soweit aber eigentlich gut geklappt auch wenn es am Ende recht heiß war und wir keinen Schatten auf dem Weg hatten. Nun ja von da an bin ich immer mit ihnen gelaufen und wir haben immer so Etappen um die 28Km gemacht. Mal nur 25, dann mal wieder 30. Ging aber ganz gut und ohne Probleme bei mir, wahrscheinlich auch, weil ich ja jetzt schon 5 Wochen Übung hatte.
Gekocht haben wir nie, dass konnten sich die beiden älteren Herren dann doch nicht vorstellen, aber in Spanien kann man alles sehr günstig bekommen. Ein Bett kostet in der Regel 5 - 8 Euro und Essen kann man ein Pilgermenü, dass kostet in der Regel 10 Euro. Man hat ein bisschen Auswahl bei Vor und bei Hauptspeise, bekommt dann noch einen Nachtisch oder einen Kaffe und Wein und Brot sowieso.
Irgendwann sahen wir jemanden, der in Schottenrock den Camino machte. Wir haben ihn immer wieder mal getroffen. Irgendwann in einer anderen Herberge saßen an meinem Tisch beim Abendessen zwei Mädchen. Wie sich rausstellte, kamen beide aus Deutschland und waren zusammen auf dem Weg. Sie studierten beide und waren somit in meinem Alter (die ersten, die ich getroffen habe). Wir haben uns dann ein paar Tage nicht gesehen und erst nach einiger Zeit, waren sie zufällig wieder in der selben Herberge wie ich. Sie hatten inzwischen wohl auch den Schotten getroffen und waren zusammen mit ihm unterwegs. Ich hatte noch mal ein gutes Gespräch mit einem der beiden Mädchen, aber auch am nächsten Morgen haben wir uns wieder nicht gesehen. Erst wieder ein paar Tage später, trafen wir dann besagtes Mädchen unterwegs und wir kamen wieder ins Gespräch und haben die letzten Kilometer bis zum Tagesziel hinter uns gebracht. Dort mussten die beiden Österreicher in ein anderes Zimmer als ich und das Mädchen und dort traf ich dann auch auf das zweite Mädchen und den Schotten. Ein Deutscher mit Liebe zu Schottland und seinem Rock. Abends haben wir zusammen gekocht und Sangria getrunken und ab dem nächsten Morgen sind wir dann zusammen als vierergruppe weiter gelaufen. Schlichtweg auch, weil ich an dem Morgen die beiden Österreicher nicht gesehen habe.
Das war dann auch sehr sehr angenehm, einfach auch mal mit Leuten meines Alters zu laufen und wir hatten echt schöne Tage, haben Abends immer zusammen gekocht etc. Mit denen bin ich dann etwas über eine Woche gelaufen, bis wir dann an einem Tag die Mädchen irgendwie verloren haben. Sie sind früher aus der Herberge und meinten, wir würden sie ja eh unterwegs wieder einholen. Doch aus irgendeinem Grund haben der Schotte und ich sie an dem Tag nicht wieder getroffen. Auch am nächsten Tag konnten wir keine Spur entdecken. Wir haben dann mal eine Sms geschrieben und so stellte sich herraus, dass wir am ersten Tag ungünstig an einander vorbei gelaufen sein müssen und sie jetzt aber einige Kilometer hinter uns in der Herberge waren. Von da an haben wir sie nicht mehr wieder gesehen, da sie es nicht geschafft haben den Abstand wieder rein zu laufen, da der Schotte und ich eher noch mehr Kilometer am Tag gemacht haben als die beiden und somit der Abstand eher noch größer wurde.
So kam es dann, dass ich die letzten 200 Km oder so alleine mit dem Schotten gemacht habe. Wir haben uns gut verstanden, hatten auch privat selbe Interessen etc und es war echt eine schöne Zeit. In den letzten Tagen hatten wir dann noch mal zwei 30 Etappen und dann nach Santiago eine 20. Wir unterhielten uns über die letzten Tage und er sagte, dass er gerne noch mal wirklich in der Nacht laufen würde und so kam uns beiden dann der Plan, die erste 30 um 5Uhr morgends zu starten, die zweite dann noch früher und die 20 nach Santiago um 4Uhr, so dass wir mit Sonnenaufgang in Santiago ankämen und dort Frühstücken konnten.
Der Plan hat leider nicht ganz funktioniert. Am zweiten Tag sahen wir irgendwann zwischen 11 und 12 Uhr den Kilometerstein 24, schauten beide auf die Uhr und dachten uns, dass schaffen wir auch heute noch. Der Schotte sagte auch noch locker :"Das ist ja heute noch drin" und als wir ein paar Kilometer weiter waren, blieben wir beide stehen, schauten uns an, hielten uns die Hände hin und damit war klar, wir laufen heute 50 Kilometer und sind heute Abend dann endlich in Santiago.
Und so wurde es spät an diesem Mittwoch und wir liefen und liefen und liefen, bis wir nach 50 Kilometern, über 12 Stunden unterwegssein und einem kurzen Down Punkt um 18 Uhr Abends in Santiago endlich in der Herberge standen.
Mein Gott waren wir fertig, aber wir waren da und hatten es geschafft. Wir waren den Jacobsweg bis zu seinem Ende gelaufen.
Wir haben dann geduscht, sind anschließend in die Stadt, haben noch unsere Urkunden abgeholt und sind Essen gegangen. Das hatten wir an diesem Tag nämlich noch gar nicht gemacht.

Das Ende - In Santiago de Compostella

Und hier zeigte sich dann ganz deutlich: Nicht das Ankommen, sonder der Weg ist das Ziel.
In Santiago anzukommen - war nichts besonderes, wie in jeder anderen größeren Stadt
Die Urkunde zu holen - war nichts besonderes. Die bekommt gefühlt jeder
Die Kathedrale zu besuchen - war nichts besonderes. Sie war nicht wirklich schön, sie war höchstens groß, aber das sind viele Kirchen
Die Pilgermesse um 12 Uhr - war nichts besonderes. Sehr touristisch und ohne viel Inhalt

Naja mehr Punkte fallen mir gerade nicht ein, aber ich denke es wird deutlich, zumindest für uns beide war Santiago nicht das, was man vielleicht erwarten könnte.
Wir haben am Donnerstag, den Tag nach unserer Ankunft, das Pflichtprogramm gemacht, wie z.B. Pilgermesse, Souveniers shoppen etc aber es war einfach nichts besonderes. Den Rest des Tages haben wir dann auch mehr oder weniger die Zeit tot geschlagen, sind noch zum Flughafen gefahren um unsere Rückreisen zu klären und dann war der Tag auch recht ereignislos vorbei.
Am nächsten Tag sind wir dann mit dem Bus nach Finisterre - ans Ende der Welt - gefahren. Wir wären sogar noch hin gelaufen, wenn wir die Zeit gehabt hätten, aber die hatten wir leider nicht. Ich hatte Samstag morgen meine Rückreise und der Schotte einen Termin in Santiago. Also mit dem Bus. Das war auch wirklich schön, wir haben uns das kleine Städtchen angeschaut, sind bis zum Leuchtturm raus gelaufen, standen dann auf den Klippen über dem Meer und es war wirklich das Ende der Welt. Um einen rum war nur noch Meer und die schmale Straße hinter einem.

Naja so ging dann am nächsten Morgen um 11:30 Uhr ein 10 wöchiges Abenteuer für mich zu Ende. Ich habe meinen Rucksack in den Bus gelegt und bin zurück nach Deutschland gefahren. Hat zwar noch 28,5 Stunden bis nach Köln gedauert, aber damit war die Pilgerreise dann doch zu Ende.

Aber ich sag euch eins. Ankommen zu Hause und wieder in den Alltag finden ist nicht umbedingt das leichteste Zwinkern Ich bin froh, dass ich eine ganze Woche Zeit habe, um alles zu klären und wieder wirklich anzukommen.

Die Intention - Der Grund meiner Reise

Eine oft gestellte Frage, die viele - wahrscheinlich auch euch - interessiert. Aber letzten Endes kann man sie glaube ich in den seltensten Fällen beantworten. Ich wusste nicht warum ich los gelaufen bin, ich weiß auch jetzt noch nicht so genau warum ich vor zwei Monaten los gegangen bin. Es werden einem unterwegs viele Dinge klar und man kommt ganz klar verändert wieder zurück.
Aber zumindest ich bin nicht los gelaufen, um eine Antwort auf diese oder jene Frage zu bekommen oder weil ich unbedingt am Grab des Jacobus stehen musste (was ich auch nie getan habe).
Ich bin einfach los gelaufen, weil ich irgendwann gespürt und gewusst habe: Ich will los laufen, es ist an der Zeit für mich und es ist das richtige für mich, wenn ich den Jacobsweg mache. Klingt wahrscheinlich sehr sehr seltsam, gerade für einen, der das so nicht kennt, das ist mir klar, aber das ist es einfach.
Ich sage nicht, dass jemand zu mir gesprochen hat, oder mir jemand erschienen ist oder so ewas, Nein.
Aber ich habe es irgendwo in mir "gespürt" Die Idee hat sich festgesetzt, mich nicht mehr los gelassen und ich habe es einfach gemacht. Ich bin los gelaufen.


Nun ja soweit so gut fürs erste. Ich glaube ich habe jetzt auch fast zwei Stunden hier dran gesessen und geschrieben und es scheint mir auch recht lang geworden zu sein. Vielleicht werde ich mit der Zeit noch einzelne Geschichten und Episoden hier rein schreiben, die vielleicht noch ganz interessant sind.
Ihr könnt mir auf jedenfall noch Fragen stellen und mich Löchern, ich werde versuchen alles bestmöglich zu beantworten und zu allem etwas zu sagen. Vorrausgesetzt es gibt noch etwas, nachdem ihr diesen ewig langen Text gelesen habt. Wenn ihn keiner liest, ist das auch nicht das Problem, darauf kommt es mir auch gar nicht an.
Gibt es noch etwas zum Abschluss zu sagen? Nein ich glaube nicht.
Es dankt: Nalante alias Philippe
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Nyranja Efyriel
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BeitragThema: Re: Meine Pilgerreise   Fr Okt 14, 2011 12:08 pm

Ich habe eben deinen Text (ganz) mit großem Interesse gelesen.
Die Gründe warum man eine so lange Strecke laufen will und das dann auch macht, sind sicher nicht zu erklären. Aber ich könnte auch so spontan nicht erklären, warum ich manchmal einfach 2-3 Stunden spazieren geh. Man tut es einfach für sich.

Danke für einen 'Kurzbericht'
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BeitragThema: Re: Meine Pilgerreise   Fr Okt 14, 2011 12:43 pm

Du hast es also wirklich getan?
Oh man. Naja ich denke die Gründe dürften wirklich ähnliche sein für deine Spaziergänge oder diese Reise^^
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BeitragThema: Re: Meine Pilgerreise   

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Meine Pilgerreise

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